„Zum ersten Mal brütet in diesem Jahr ein wild lebendes Storchenpaar im Schloss- und Auenpark“, so der Storchenexperte Gerhard Lakmann vom Weißstorch-Projekt für die „Naturschutz-Stiftung Senne“. Bereits im April sei das auch auf der internationalen Plattform für den Kreis Paderborn gemeldet worden.
Beim Rundgang der Quartiersinitiative Schloß Neuhaus kommentierte er dann weiter, dass dafür der Schlosspark mit seinem Turm ohne Zweifel besonders geeignet sei. Mindestens zwei lebende Jungstörche wurden im Anschluss gemeinsam gesichtet. Der mehr als zwei Stunden dauernde Quartiersspaziergang startete am Standort in den Paderauen. Hier wurde über ein von Gerhard Lakmann aufgebautes Spektiv bis in das Nest mit den drei Jungtieren geschaut. Der jüngste teilnehmende „Nachwuchsornithologe“ entdeckte dabei auch eine sichtbare Beringung, dass der Storch in den Niederlanden (NLA) registriert und somit in einem niederländischen Nest ausgebrütet worden war.
Bei den fachkundigen Informationen erfuhren die Interessierten so manches über das Leben der Weißstörche, auch zu deren jährlich mehrere Monate umfassenden Flügen ins Winterquartier über die Ostroute, die Türkei und den Bosporus bis dann weiter nach Tansania und sogar nach Südafrika. In Deutschland sei der Storch nie gejagt worden, dennoch ging die Population zurück. So gab es das letzte brütende Paar in den 1950er Jahren im Kreisgebiet.
Um 2007 wurden dann erstmals wieder in Ostenland wild brütende Storchenpaare im Kreis Paderborn gesichtet. Inzwischen kennen fast alle die rund zehn Meter hohen Masten mit den angebotenen Nisthilfen. Diese haben in Schloß Neuhaus eine besondere Geschichte. Im praktischen Tun während eines Managerseminars entstanden fünf künstliche Nester, die dann 2019 mit Hilfe des Kreisbauhofs als die bekannten Storchennester ihre Verwendung fanden, wie in Schloß Neuhaus, die seitdem gerne als Brutplatz angenommen wurden.
Die Experten beobachten das als positive Entwicklung im Kreis, auch ein gutes Zeichen für ein verbessertes Ökosystem im Raum Paderborn. 2026 sind es bereits 89 brütende Storchenpaare. Noch steht die sehr aufwendige Beringung der Jungtiere an den besuchten Standorten im Quartier aus. Später könnten diese Ringe wertvolle Hinweise auf den Geburtsort und das regionale und überregionale Brutverhalten geben. „Auf dem Weg durch die Aue und den Schlosspark empfiehlt sich ein Blick in die Höhe“, so Ulrike Oberlies von der Quartiersinitiative. „Vielleicht sogar mit dem Glück, die klappernden Störche bei der Abwechslung der Fütterung zu beobachten, bevor sich diese dann im Spätsommer auf die lange Reise in den Süden begeben“, ergänzte Lakmann.


